Dreiklanghorn

Mitteilung vom 27.07.1999

Vor 75 Jahren führte die Reisepost das Dreiklanghorn ein

Rechtzeitig vor der Sommersaison im Jahre 1924 wurden die Postautos auf den Alpenpostlinien mit dem allseits bekannten Dreiklanghorn ausgerüstet. Es war nicht etwa die Posthorn-Romantik welche der Einführung der mittlerweile beliebten Tonfolge in erster Linie zu Grunde lag, sondern das Verlangen nach Sicherheit.

Warnsignal auf Bergstrassen

Als in den frühen Zwanziger-Jahren die Postautos den Verkehr auf den Alpenstrassen aufnahmen, sah sich die Postdirektion des öfteren mit Blechschäden konfrontiert. Hervorgerufen wurden diese durch Kollisionen mit den immer häufiger anfahrenden privaten Automobilisten, Besonders das 1922 auf den Bergstrassen eingeführte und erst 1953 überall wieder abgeschaffte Bergseitsausweichen der Postautos führte, trotz Signalisation und zusätzlicher Information der Automobilisten, des öfteren zu Problemen. Um diesen zu begegnen, führte man 1924 das Dreiklanghorn ein. Heute wird das Warnsignal gemäss Dienstvorschrift eingesetzt. Die Vorschrift besagt: "Auf Bergpost- und anderen Strassen mit schwierigen Verhältnissen ist das Dreiklanghorn zu betätigen. In Ortschaften darf es nicht benützt werden''.

Wilhelm Tell stand Pate

Zur Zeit des Postkutschenverkehrs bliesen die Postillione auf dem Posthorn weithin hörbare Signale, wobei jede Melodie eine andere Bedeutung hatte. Diese Weisen wurden beliebt und volkstümlich wie die Klänge des Alphorns. Heute lebt die alte Posthorn-Romantik in der Form des modernen Dreiklanghorns weiter. Das "Posthorn'' erfreut noch heute im Postauto-Verkehr auf Bergstrassen mit seiner packenden Klangfolge die Fahrgäste. Nicht selten kommt es vor, dass etwa ein "Grossäti'' zu Gunsten seiner Enkelkinder den Postautochauffeur bittet, doch einmal das "Dü-dä-do'' abzuspielen. Das einprägsame und äusserst populäre Klangmotiv stammt aus dem Andante der Ouvertüre zu Rossinis "Wilhelm Tell'' und umfasst die Töne cis-e-a in A-Dur.

Symbol der Reisepost

Das akustische Signal, beziehungsweise das Posthorn, auf welchem die Töne ursprünglich erschallten, wurde auch bildhaft umgesetzt und zierte von allem Anfang an die gelben Motorwagen. Das Posthorn erlebte als Symbol der Reisepost den Wandel der Zeit. In mannigfaltigen Formen dekorierte es dem wechselnden Empfinden nach moderner Grafik in den jeweiligen Epochen die gelben Postautos. Mit der Reorganisation des Postautodienstes, der sich im Jahre 1995 für den freien Wettbewerb im öffentlichen Verkehr rüstete, erlebte das Posthorn eine noch nie dagewesene Renaissance. In dominierender Grösse und in dynamischer Gestaltung ziert das mit dem Postauto untrennbare Symbol heute die grösste Busflotte der Schweiz.